Treppenlift Kostenübernahme der Krankenkasse

von Nicolas Kopp
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Beim Einbau eines Treppenlifts handelt es sich um eine wohnraumverbessernde Maßnahme, die Krankenkassen mit einem maximalen Zuschuss von 4.000 Euro pro anspruchsberechtigter Person und Maßnahme fördern.

Besonders wichtig ist der Hinweis auf pro Maßnahme und pro anspruchsberechtigter Person. Denn leben mehrere mobilitätseingeschränkte Personen im Haus, hat jede dieser Personen den Anspruch auf diesen Zuschuss. Sind beispielsweise Sie und Ihr Ehepartner in der Mobilität eingeschränkt, verdoppelt sich der mögliche Zuschuss auf bis zu 8.000 €. Insgesamt wird der Zuschuss für maximal vier Personen pro Haushalt bewilligt. Zwingende Voraussetzung für diesen Zuschuss ist bei jeder antragstellenden Person ein offiziell anerkannter Pflegegrad.


Pflegegrad als Voraussetzung für Zuschüsse der Krankenkasse

Das 2017 in Kraft getretene neue Gesetz der Pflegeversicherung brachte mehrere Änderungen mit sich. Dies betrifft vor allem die ursprünglichen drei Pflegestufen, die in fünf Pflegegrade umgebaut wurden. Ziel dieses Umbaus war eine gerechter verteilte Unterstützung von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Entscheiden Sie sich für den Einbau eines Treppenlifts, ist für die Bewilligung der maximal 4.000 € Zuschuss durch die Pflegekasse zumindest Pflegegrad 1 erforderlich.

Die einzelnen Pflegegrade orientieren sich daran, wie stark die selbstständige Lebensführung durch die gesundheitliche Beeinträchtigung beeinflusst ist. Details dazu erfahren Sie in den nachfolgenden Erläuterungen.

Pflegegrad 1 - geringe Beeinträchtigung

Zeigen sich bei Ihnen leichte Einschränkungen, die Sie in der Bewältigung Ihres Alltags behindern, erhalten Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Pflegegrad 1. Als Leistung erhalten Sie nur einen zweckgebundenen Entlastungsbetrag von 125,00 €.

Bereits mit Pflegegrad 1 unterstützt die Kranken- oder Pflegekasse durch Zuschüsse oder Kostenübernahme verschiedene Maßnahmen, die Ihren Alltag erleichtern:

  • Umbaumaßnahmen für die Barrierefreiheit einer Wohnung,
  • Teilkostenübernahme für Pflegehilfsmittel,
  • Bezuschusstes betreutes Wohnen,
  • Leistungen für ambulant betreutes Wohnen,
  • Pflegekurse für pflegende Angehörige,
  • Monatlich 125 € Entlastungsbetrag,
  • Pflegeberatung.

Pflegegrad 2 - erhebliche Beeinträchtigung

Sind die körperlichen und kognitiven Fähigkeiten entsprechend eingeschränkt, erhält eine Person den Pflegegrad 2. Mit diesem Pflegegrad haben Sie Anspruch auf alle Leistungen des Pflegegrads 1 sowie zusätzliche Geld- und Sachleistungen:

  • Geldleistung ambulant,
  • Sachleistung ambulant,
  • Entlastungsbetrag ambulant und zweckgebunden,
  • Leistungsbetrag stationär.

Pflegegrad 3 - schwere Beeinträchtigung

Ist die Selbstständigkeit entsprechend der Gutachten und dem damit verbundenen Punktesystem schwer beeinträchtigt, ist ein höherer pflegerischer Aufwand erforderlich. Die Unterstützung erfolgt in Form von erhöhten Geld- und Sachleistungen sowie der unter Pflegegrad 1 aufgezählten Zuschüsse und Kostenübernahmen.

Pflegegrad 4 - schwerste Beeinträchtigung

Erreicht ein Patient beim Gutachten eine Gesamtpunktezahl zwischen 70 und 89 Punkten, erfolgt die Einstufung in den Pflegegrad 4.

Pflegegrad 5 - schwerste Beeinträchtigung und besondere Anforderungen an die Pflege

Der höchste Pflegegrad ist mit einer sehr schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und außergewöhnlichen Anforderungen an die pflegerische Versorgung verbunden. Dabei ist es unerheblich, ob ein Patient ausschließlich in seiner körperlichen Selbstständigkeit eingeschränkt ist oder zusätzlich auch in seinen kognitiven Fähigkeiten.


So beantragen Sie den Pflegegrad

Um den Treppenlift Zuschuss der Krankenkasse zu Beantragen, benötigen Sie ein Pflegegutachten.

Der Maximalzuschuss von 4000 € ist eine Leistung der sozialen Pflegeversicherung; oft vertreten durch die Krankenkassen. Um in den Genuss dieses Zuschusses zu kommen, stellen Sie mit einem formlosen Schreiben oder einen Anruf bei Ihrer Pflegekasse einen Antrag auf Pflegegrad. Kurze Zeit nach der schriftlichen oder telefonischen Anforderung erhalten sie per Post ein Formular übermittelt, das sie ausfüllen, unterschreiben und einreichen.

Der nächste Schritt ist der Termin beim medizinischen Gutachter, um den tatsächlichen Pflegegrad zu ermitteln.


Gut vorbereitet zum medizinischen Gutachter

Bereiten Sie sich auf den Gutachtertermin umfassend vor und erhöhen Sie so die Chance auf den maximalen Zuschuss für den Einbau eines Treppenlifts. Hilfreich ist dabei das Buch „Das Pflegegutachten“. Hier finden Sie alle Regelungen einfach und verständlich erklärt. Die Kriterien für die einzelnen Pflegegrade sind genauso detailliert ausgeführt wie die Fragen, die der medizinische Gutachter stellen wird. Sind Sie mit dem Ergebnis der Pflegegrad-Einstufung nicht zufrieden, informiert Sie das Buch zur richtigen Vorgehensweise beim Einlegen des Widerspruchs.


Pflegegrad bestätigt – die Antragstellung auf Zuschuss

Vor der Antragstellung auf den Zuschuss der Pflegekasse benötigen Sie den Nachweis über den erhobenen Pflegegrad, den Kostenvoranschlag für die Installation Ihres Treppenlifts und den ausgefüllten Antrag „auf finanziellen Zuschuss zur Verbesserung des individuellen Wohnumfelds“. Manche Krankenkassen verlangen mehrere Kostenvoranschläge. Informieren Sie sich daher bereits im Vorfeld darüber, um eine zügige Bearbeitung Ihres Antrags zu gewährleisten.

Alternativ zur telefonischen oder schriftlichen Anforderung des Antragsformulars stellen Krankenkassen wie beispielsweise die AOK oder die Bahn-BKK den Antrag für den Zuschuss auf Ihrer Website zum Download zur Verfügung:


Formlose Antragstellung des Zuschusses

Einige Krankenkassen erwarten die formlose Antragstellung und stellen kein Formular zum Ausfüllen zur Verfügung. In diesem Fall formulieren Sie ein Schreiben, in dem Sie ausdrücklich auf eine „Wohnumfeld verbessernde Maßnahme“ hinweisen. Begründen Sie genau, warum der Lift Ihre Wohnsituation verbessert und erläutern Sie ergänzend das Krankheitsbild.

Weitere wichtige Informationen zum Schreiben:

  • Fotos der aktuellen Raumsituation, die eindeutig Ihre Einschränkung belegen.
  • Kostenvoranschläge der verschiedenen Anbieter.

Maximal 4.000 € pro Maßnahme

Für jede wohnraumverbessernde Maßnahme erhalten Sie pro bezugsberechtigter im Haushalt lebender Person maximal 4.000 €. Die Installation eines Treppenlifts einschließlich der Anschaffungskosten und aller damit verbundenen baulichen Aktivitäten gelten als einzelne Maßnahme.

Anders gestaltet sich die Situation, wenn aufgrund einer Verschlechterung der Mobilität ein Rollstuhl erforderlich ist und Sie den bestehenden Treppenlift zum Plattformlift umrüsten . In diesem Fall handelt es sich um eine weitere wohnraumverbessernde Maßnahme, für die Sie den Zuschuss erneut beantragen können.


Hilfsmittelkatalog informiert über Ihre weiteren Ansprüche

Neben dem Treppenlifter sind im im Hilfsmittelverzeichnis der GKV zahlreiche weitere Hilfsmittel hinterlegt. Details finden Sie im Hilfsmittelkatalog der Gesetzlich Krankenversicherten (GKV) Gruppe 22, Ort 40 Häuslicher Bereich, Untergruppen 01 bis 06. Die Aufnahme in diesen Katalog bringt automatisch den Anspruch auf einen von der Krankenkasse festgelegten Zuschuss mit sich.


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